26.11.2005
Ad te levavi animam meam
"Zu Dir erhebe ich meine Seele, mein Gott auf dich vertraue ich, lass mich nicht scheitern, lass meine Feinde nicht triumphieren, denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden" Introitus zur Messe des ersten Adventsonntags
(neumierte Choralversion plus Hörprobe aus St. Ottilien:hier)
Als ich als Jugendlicher, damals zeitlicher Professe einer alten Benediktinerabtei, vom Choral und v.a. von den Neumen fasziniert auf ein altes handgeschriebenes Graduale in der Bibliothek des Klosters stieß und dabei gerade diese Verse fand und anhand meiner Ausgabe des Graduale Triplex herausfand, dass die Neumierung völlig übereinstimmte, wurde mir zum ersten Mal so richtig handgreiflich bewußt, was die Liturgie der Kirche ist; v.a. ist sie kein beliebiges Werk, irgendwo in irgendwelchen Schreibstuben nach den Lieblingsideen mehr oder weniger genialer Ästheten erfunden, vielmehr ein kostbares Erbe, von Generation zu Generation voll Demut und Ehrfurcht weitergegeben. Es ist schade, dass uns modernen Katholiken dieser Sinn für die Liturgie und ihr Geheimnis abhanden gekommen ist. Vielleicht ist der Advent, mit dem das neue Kirchenjahr bginnt für uns alle auch ein Neubeginn in unserem liturgischen Bewußtsein und Mitvollzug.
Zugleich kann uns die Liturgie herausfordern. Denn wer von uns verbindet mit dem Advent spontan den durchaus nicht sofort zugänglichen Psalm 25 ? Wenn wir uns auf die Logik der Liturgie einlassen, wird unser geistliches Leben tiefer, reicher und reiner und immun gegen die allgegenwärtige "vorweihnachtliche" Gefühlsduselei. Der Advent ist nicht nur Vorweihnachtszeit, er ist v.a. und noch viel mehr das sehnsüchtige Warten auf die Rückkehr des Bräutigams. Maranatha, Komm Herr Jesus!





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