28.11.2005

Kommt , wir ziehen hinauf!

Wer heute aufmerksam die Eucharistie und das Stundengebet mitgefeiert hat wurde gleich dreimal mit der großartigen Vision des Jesaja konfrontiert, zusagen als großer Einstieg in den Advent wurde sowohl in der Lesehore, als auch zu den Laudes und als Lesung zur Messe dieses großartige Bild vorgestellt:


1 Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat. 2 Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. / Zu ihm strömen alle Völker. 3 Viele Nationen machen sich auf den Weg. / Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn / und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, / auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, / aus Jerusalem sein Wort. 4 Er spricht Recht im Streit der Völker, / er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg. 5 Ihr vom Haus Jakob, kommt, / wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Als ich heute nachmittag auf einer der großen Wiener Einkaufsstraßen von meiner Arbeit nachhause ging, stand mir dieses Bild wieder vor Augen. Unglaublich viele Menschen aus buchstäblich allen Teilen dieser Erde tummelten sich, so wie ich auf dieser Straße und ich fragte mich, was Jesaja wohl vor Augen gehabt hat, als er die großartige Vision der Völkerwallfahrt verfaßte. Die Tatsache der Emmigration und Immigration, die Tatsache der Großstädte mit ihrer hohen Konzentration von verschiedensten Kulturen auf relativ engem Raum, das alles hat doch irgendwie mit der heutigen Lesung zu tun. Der entscheidende Punkt fehlt dabei aber: was die Migration und das "Kunterbunt" der Kulturen und Sprachen so spannungsreich und manchmal problematisch macht ist nicht sosehr das Fremdsein und nicht einmal in erster Linie das soziale Gefälle (siehe die jüngsten Unruhen in Frankreich). Nein, der entscheidende Punkt ist, dass dieser großen "säkularen Völkerwallfahrt", an der wir alle mehr oder weniger intensiv teilhaben, der gemeinsame Blick auf Ihn fehlt, der uns alle gerufen hat, uns aufzumachen. Bei genauerer Betrachtung der Jesajastelle, gibt es ja Bewegung in zwei Richtungen, einerseits ziehen alle hinauf zum Zionsberg, andererseits kommt uns von dort die Weisung, das WORT entgegen.

Ich habe mir heute auf meinem Weg nachhause gedacht:- eigentlich sind wir alle, ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht auf dem Weg zum "Zion" (ein Grund, warum uns Christen Jerusalem und sein Schicksal nie gleichgültig sein kann und wird, aber das nur so nebenbei als kleiner gedanklicher "Querschuss"), das Drama besteht nur darin, dass wir uns nicht dessen bewußt sind, und darum wie verlorene Schafe herumlaufen. Aber allein die Tatsache, dass sich so viele Menschen wie nie in der Geschichte ständig auf den Weg irgendwohin machen, spiegelt diese tiefe Sehnsucht nach der endgültigen Heimat und beweist, dass jeden Menschen dieses Wort, das von Zion ausgeht schon irgendwo in seinem Herzen getroffen und in Bewegung gesetzt hat. "Am Ende der Tage wird es geschehen", da wird dieses Sehnsucht, die so verschiedene Formen angenommen hat, ihre einzige und eigentliche Orientierung bekommen und, dann wird das Bild des Jesaja wahr werden.- Ki mi Tsion tetse Thora u dvar ha'shem mirushalajim, ve imru: Amen!

The comments are closed.