06.12.2005

In loco peregrinationis meae....

heute wurde zur Mittagshore wieder der Abschnitt aus Psalm 119 (118) gebetet, in dem ein Bild zur Sprache kommt, das mich immer wieder neu erstaunt, weil es eigentlich ein Paradoxon ist . Es ist die Rede vom "locus peregrinationis meae" oder in der deutschen Übertragung vom "Haus meiner Pilgerschaft". Nichts scheint auf den ersten Blick verwirrender und man möchte spontan antworten: "Was jetzt:-Haus oder Pilgerschaft?" Aber diese spontane Reaktion verkennt die zahlreichen Paradoxa unseres Lebens, zwischen der bereits angebrochenen Königsherrschaft Gottes und ihrer endgültigen Erfüllung. Wenn ich meinen Alltag anschaue, dann merke ich, wie gerne ich mich hier gemütlich einrichten möchte. Die Versuchungen, ein gemütliches, mondänes Leben zu führen sind groß, aber Gott hat größeres mit unserem Leben vor. Die pilgernden Brüder und Schwestern der Gemeinschaft vom Lamm erinnern mich immer wieder daran und helfen mir, nicht allzusehr zu verbürgerlichen. Das "Haus der Pilgerschaft" ist oft mühsam zu bewohnen, es ist voller Leben: die Ehe, die eine ständige Herausforderung ist, die Kinder, von denen ein jedes glaubt, die Eltern für sich allein beanspruchen zu können, die Arbeit, die allzuoft mehr eine Erbe der Sünde Adams ist als eine Quelle der Freude und und und..........oft bete ich dann:Herr, o.k. aber hättest du nicht vielleicht ein etwas komfortableres Haus für meine Pilgerschaft? Und dann anntwortet mir der Herr, gerade auch in diesem Psalm :Nein, da wo du gerade bist:
das ist der Ort deiner Pilgerschaft; und diese Antwort ist einerseits ernüchternd aber andererseits auch voll Hoffnung, denn Pilgerschaft bedeutet doch: es ist nur ein vorläufiger Ort, und so wie er ist ist er für heute gerade recht, aber die Verheißungen Gottes sind wahr:" Er selbst wird kommen und uns retten", wie es in der Liturgie dieser Tage so oft heißt, und das hoffentlich bald.Maranatha!

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