10.12.2005

Der Löwe und das Lamm

Bei kompendium habe ich heute mittags bereits meine Eindrücke gepostet, die ich von meinem gestrigen Familien-kinonachmittag von den „Chroniken von Narnia“ mitgebracht habe. Die für mich berührendste Stelle bleibt das freiwillige Opfer des Löwen Aslan, der anstelle eines kleinen trotzigen Jungen den Tod auf sich nimmt. Die offensichtliche Parallele zum Opfertod Jesu und deren implizite Deutung war natürlich überwältigend, mir ging aber noch einiges andere durch den Kopf dabei und zwar das Bild des Löwen von Juda und des geopferten Lammes, Bilder aus der Apokalypse, die mich schon lange beschäftigen. Zu groß scheint das Paradoxon des Löwen und des Lammes; Lewis, aber auch der Regisseur des Filmes haben es wirklich verstanden, dieses Paradoxon transparent werden zu lassen und mit einem Mal standen mir zwei Personen vor Augen, die dieses Paradoxon gelebt und beide in diesem zu Ende gehenden Jahr –jeder auf seine Weise- vollendet haben. Der eine ist Papst Johannes Paul II. Wer erinnert sich nicht an den einst so vitalen Papst, der mit seinem Elan die Welt beeindruckt hat wie kein zweiter in den letzten dreißig Jahren? Und wer erinnert sich nicht zugleich an den selben Diener Gottes bei seinem letzten stummen Segen vom Fenster seines Zimmers aus, die Kehle durch die Tracheotomie geöffnet, so als sei er schließlich noch geschächtet worden, in seiner weißen Soutane dem Lamm ganz ähnlich geworden . Die zweite Person: frére Roger, ebenfalls ganz in weiß, in seiner Kukulle, wie sie die Mönche zum Gebet zu tragen pflegen, einst ein dynamischer Reisender um die ganze Welt, dessen Sehnsucht nach Versöhnung und Einheit kaum jemanden kalt lassen konnte, am Ende seines Lebens, schon etwas hinfällig und schutzbedürftig, wie ein Lamm - Opfer eines Messerstiches. Und wie viele andere fallen einem noch ein, wenn man so beginnt, über das Geheimnis des Löwen und des Lammes nachzudenken!: ein Monsenor Romero, die sieben Trappisten von Tibhirine, der Selige Charles de Foucauld oder der Selige „Löwe von Münster“.......sie alle offenbaren etwas von diesem Geheimnis. Heute zur Vesper kommt jene rätselhafte Stelle aus dem Buch Jesaja, die auf Jesus bezogen wird, und die zu den klassischen Antiphonen der Adventzeit geworden ist: Emitte Agnum, Domine, Dominatorem terrae, de petra deserti ad montem filiae Sion. (Sende, Herr, das Lamm, den Herrscher der Erde vom Felsen der Wüste zum Berg der Tochter Zion!)

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