11.12.2005

Ja wir müssen uns freuen, Brüder!

„...Ja wirklich Brüder, mit jubelndem Geiste müssen wir dem kommenden Christus entgegengehen. Jetzt schon müssen wir Ihn aus der Ferne grüßen, oder vielmehr seinen Gruß erwidern, da Er seinen Gruß an Jakob richtet. Oh Heil meines Angesichtes und mein Gott! (Ps. 42) Denn es hätte kein Heil für uns gegeben, wenn nicht Du, der Du uns grüßt, uns das Heil gegeben hättest. Doch du hast es uns gegeben, nicht nur indem du uns mit Worten des Friedens und dann mit dem Friedenskuss grüßtest, das heißt, indem Du Dich mit dem Fleisch verbandest, sondern auch indem du unser Heil durch den Tod am Kreuz zur Vollendung brachtest. Unser Geist mache sich also mit lebhafter Freude auf den Weg und eile seinem Retter entgegen. Er bete den an und grüße Ihn, der aus der Ferne kommt, und rufe ihm zu: „Oh Herr, rette mich! Sei gepriesen, der du kommen wirst im Namen des Herrn! Sei gegrüßt, der du kommst, um uns zu retten. Dir gebührt der Segen, der Du kommst, zu segnen!“ Komm, Herr und „heile mich, dann werde ich heil sein“ (Jer 17,14), „Komm und lass dein Angesicht über uns leuchten, dann ist uns geholfen“ (Ps 80,4). „Sei in der Not unsere Rettung!“ (Jes33,2) So eilten in den früheren Zeiten die Propheten und Gerechten mit großer Sehnsucht und Liebe Christus entgegen, der einmal kommen sollte; sie sehnten sich danach, Ihn mit eigenen Augen zu schauen, den sie im Geist vorhersehen durften. Darum sagt der Herr: „Selig sind, die sehen, was ihr seht!“ Denn ich sage euch viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt, zu sehen was ihr seht und haben es nicht gesehen!“(Mt 13,17). Auch unser Vater Abraham jubelte bei dem Gedanken, den Tag Christi zu sehen; er sah ihn, aber in der Hölle, und er freute sich darüber. Dies ist Anlaß genug, zu erröten wegen der Lauheit und der Härte unseres Herzens, wenn wir nicht in geistlicher Freude den Jahrestag der Geburt Christi erwarten, den wir, so Gott will in den nächsten Tage erleben dürfen. Die Hl. Schrift verlangt ganz eindeutig, dass wir uns darüber freuen: Unser Geist soll sich erheben und herzlich danach verlangen, dem kommenden Christus entgegen zu gehen.

(Guerric , Abt von Igny, Zisterzienser und Zeitgenosse des Hl. Bernhard , Sermo II in Adventu Domini

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