15.12.2005
der letzte und unvollendete Brief von frére Roger
Am Nachmittag seines Todestages, am 16. August, rief Frère Roger einen Bruder und sagte zu ihm: "Scheibe diese Worte auf!" Frère Roger schwieg lange und versuchte seine Gedanken zu formulieren. Dann begann er: "In dem Maße, in dem unsere Communauté in der Menschheitsfamilie Möglichkeiten schafft, … auszuweiten…" Hier brach er ab, er war zu müde, den Satz zu beenden. Diese Worte spiegeln die Leidenschaft wider, die auch im vorgerückten Alter noch in ihm lebte. Was verstand er unter "ausweiten"? Wahrscheinlich wollte er sagen: Alles tun, damit jeder einzelne leichter die Liebe wahrnehmen kann, die Gott ausnahmslos jedem Menschen, allen Völkern entgegenbringt. Er wollte, dass unsere kleine Gemeinschaft durch ihr Leben dieses Geheimnis in schlichtem Engagement zusammen mit anderen Menschen ins Licht rückt. So möchten wir Brüder diese Herausforderung annehmen, zusammen mit allen, die überall auf der Erde den Frieden suchen. In den Wochen vor seinem Tod begann Frère Roger, sich über den Brief Gedanken zu machen, der beim Jugendtreffen in Mailand veröffentlicht wird. Er benannte eine Reihe Themen und manche seiner Texte, die er wiederaufnehmen und überarbeiten wollte. Wir haben sie so, wie sie waren, zu einem "Unvollendeten Brief" zusammengestellt, der in 57 Sprachen übersetzt wurde. Er ist wie ein letztes Wort Frère Rogers, das uns hilft, auf dem Weg weiterzugehen, auf dem Gott "unseren Schritten weiten Raum gibt" (Psalm 18,37). Wer diesen unvollendeten Brief liest – bei den Jugendtreffen, die 2006 jede Woche in Taizé stattfinden oder anderswo auf den verschiedenen Erdteilen –, kann sich fragen, wie er ihn mit dem eigenen Leben fertig schreiben kann. Frère Alois (Prior von Taizé)
übernommen von Zenit





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