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06.01.2006

Theophanie

Das heutige Fest, Epiphanie, Erscheinung des Herrn wird in der Ostkirche, die es uns ja eigentlich überliefert hat (während wir Lateiner ihr sozusagen im Gegenzug das Weihnachtsfest tradiert haben) THEOPHANIE, also Gotteserscheinung genannt, wohl in Anspielung auf den Psalmvers: Der Herr ist Gott und ist uns erschienen (Ps 118),einen zentralen Gesang im östl. Stundengebet der Vigilien (Orthros)

...aber auch auf den zu unserem "Dreikönigsfest" etwas unterschiedlichen Inhalt: die Taufe Jesu und die Offenbarung der Dreifaltigkeit, die dort geschah: Jesus steigt ins Wasser, Der Himmel öffnet sich und die Stimme des Vaters offenbart Jesus als Seinen vielgeliebten Sohn, schließlich wird diese Offenbarung besiegelt durch die Herabkunft des Hl. Geistes in Gestalt einer Taube. (Dieser Tag war aus diesem Grund neben der Osternacht in der alten Kirche ein bevorzugter Tauftag und in unserer Tradition stammt davon noch das Dreikönigswasser)

Theophanie, dieses Wort hat mich immer wieder begeistert und ich kenne, so wie wahrscheinlich viele oder die meisten von euch, solche Augenblicke tiefer Gottesbegegnung, auch im Alltag. Die Geburt meiner Kinder war jedesmal für mich so ein ganz tiefes Erlebnis zum Beispiel, wo in einem Augenblick, die ganze Welt stehen zu bleiben scheint und nur mehr Staunen da ist und das Überwältigtsein von einer Wirklichkeit, die weiter über mich und alles Erfahr- und Beschreibbare hinausgeht. Aber auch sonst können diese Theophanien sich ereignen. Meist kommen sie überfallsartig, unerwartet,- "produziert" können sie nicht werden. Sie bleiben Geschenk und hinterlassen immer auch eine Wunde, eine Sehnsucht, diese innnige Begegnung wieder zu erleben; und wenn sie dann nicht kommt, schleichen sich leicht entweder Zweifel, Überdruss oder so eine Art "Alltagsdepression" ein oder aber die noch schlimmere Versuchung, sozusagen"mit Gewalt" diese Erfahrung wieder herbeizuführen.

In den "Chroniken von Narnia", in der aktuell laufenden Verfilmung, gibt es ganz zum Schluß noch eine sehr berührende Szene. (die meisten versäumen sie, weil sie , in der Meinung, der Film sei schon zu Ende, sich bereits aus dem Staub gemacht haben): die kleine Lucy schleicht sich wieder zum berühmten Kasten zurück und möchte nach Narnia zurückkehren, sie stößt aber nur an die harte Rückwand des Kastens. Der alte Digory beobachtet sie und meint: " Nein, so kommst Du nicht zurück nach Narnia!" "Heißt das" meint darauf Lucy mit Tränen in den Augen, "dass ich nie mehr zurückkehren darf?" "oh ja doch" meint darauf Digory "du wirst bestimmt zurückkehren, dann, wenn du es am wenigsten erwartest..." (sinngemäße Wiedergabe aus dem Gedächtnis!!!)

Es ist schwer, den Alltag zu bestehen, aber die Erinnerung(en) an die Theophanien in unserem bisherigen Leben und die Aussicht, dass Er sich uns wann und wo Er will wieder zeigen wird, können uns helfen, den Überdruß zu überwinden und den Alltag mutig zu bestehen.

Den alltäglichen Überdruß nicht aufkommen zu lassen und den Geschmack der Theophanien im Gedächtnis zu bewahren, dazu hilft uns das regelmäßige Gebet. Für mich ist es das Stundengebet, die Eucharistie und der Rosenkranz sowie die geistl. Lesung. Für andere wird es andere Formen des geistlichen Lebens geben, die ihnen helfen, "dranzubleiben". Dass sich gerade auch in der" Blogozöse " immer wieder Leute finden, die das Sundengebet als Quelle für ihr geistliches Leben entdecken, freut mich natürlich ungemein. Hier beschreibt beispielsweise ein Blogger seine Erfahrungen damit.

Uns allen wünsche ich von Gottes Gegenwart und Licht erfüllte "Alltage" nach diesen vielen Festtagen und allen Geschwistern der Ostkirchen, die heute erst Weihnachten feiern wünsche ich die Erfahrung der Gegenwart Gottes in ihrem Leben.

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